Hans Pietsch - Memorial 2003 - 1. Deutsche Schul-Go-Mannschaftsmeisterschaft

Hans Koschnick, der Schirmherr dieser wunderschönen Veranstaltung, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass Hans Pietsch auch als Profi die Förderung der Jugend nie aus den Augen verloren hatte. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Bremen erzählte, dass er in seiner Jugend auch Go kennen gelernt habe. Koschnick schlug vor, das Gedenken an Hans in den Spielpausen zu pflegen, jedoch während des Spiels voll konzentriert zu sein. Die einfühlsame Rede rührte einige Anwesende sichtlich. Das Ehepaar Pietsch, das durch ideelle Unterstützung und einen Spendenaufruf dieses Turnier ermöglichte, war ebenfalls zum Turnierbeginn anwesend. Thomas Brucksch als Vertreter des DGoB-Vorstandes beleuchtete kurz die Entstehung und Bedeutung dieses Turniers. Er betonte in seinen Begrüßungsworten den Gemeinschaftssinn im Go, der besonders im Team-Wettkampf zum Ausdruck kommt und bedankte sich für die bereits geleistete Vorbereitungsarbeit.


Hans Koschnick

Thomas Brucksch, Hans Koschnick, Ehepaar Pietsch
Herr Pietsch hatte es sich nicht nehmen lassen, eine Gruppe Go-Kids am Vormittag durch die Innenstadt zu führen und damit die Organisatoren zwei Stunden zu entlasten. Diese Gruppe gehörte zu den bereits am Freitag eingetroffen Mannschaften. Am Abend wurde das Dojo (Trainingsraum) des Budo-Clubs Bremen bereits intensiv zum Spielen genutzt. In diesem schönen Raum stand bereits eine Anzahl edler Go-Tische, die von befreundeten Gospielern zur Verfügung gestellt worden waren.
Der schönste Go-Tisch

14 Schulmannschaften kämpften am 27.09.03, also an Hans' Geburtstag und an seinem Geburtsort um die Ehre und einige schöne Preise. Da ein Hamburger Team kurzfristig ausgefallen war, durften die zusätzlich mitgereisten Kids aus Oldenfelde ausnahmsweise ein zweites Team ihrer Schule bilden. Jeder Teilnehmer konnte sich bereits auf ein von Hideki Asai und Harald Kroll gespendetes "Hikaru no Go"-Gobrett freuen. Außerdem warteten auf alle Spielerinnen und Spieler schön gestaltete Teilnahmeurkunden. Für die Siegermannschaft stand als Wanderpokal ein kleiner lackierter Go-Tisch neben einem Bild von Hans Pietsch. Auch die Urkunde des Nihon-Kiin zur Würdigung seiner Leistungen, grafische Grundlage der Teilnahmeurkunden, wurde präsentiert.


Der Wander-Go-Tisch

Stefan Budig und Hideki Asai beim Blitz
Eine schöne Erinnerung für alle Teams werden wohl die Polaroids sein, die Steffi Hebsacker mit viel Rücksicht auf diese Dekoration - "nach links, dein Kopf ist genau vor dem Go-Tisch! Jetzt Zähne zeigen!" - produzierte. Viel interessanter wären allerdings Fotos von den Personen gewesen, die hinter Steffis Rücken besonders sture Teams zum Lachen bringen wollten.
Stefan Budig und Hideki Asai wurden zwischen den Runden bei den vielen Kommentaren wie gewohnt umlagert.

Zwischen den ersten beiden Runde erlebten wir eine Kampfsportvorführung der Extraklasse. Wolf-Dieter Wichmann, langjähriger Leiter des Budo-Clubs Bremen, Karate-7-Dan und dreifacher Karate-Vizeweltmeister zeigte mit zwei weiteren Budokämpfern Beispiele ihrer Kunst.
Zunächst wurden sete-iai-kata, Formen der ältesten Budodisziplin Iaido gezeigt. Der Turnierteilnehmer Thomas Scharf 1. Dan Iaido aus Berlin machte spontan mit - wenn auch eine andere Form des Iaido.

Thomas Scharf, Iaido 1
Die Kämpfer benutzen ein Übungsschwert, das iai-to, in der Form eines Katanas. Wolf-Dieter Wichmann zitierte bei seinen Erläuterungen einen alten Iaido-Meister, der auf die Frage "warum übst du (noch)?" mit dem Satz antwortete: "Ich habe vor zehn Jahren mal eine ideale Form geschnitten, und die suche ich!" Die Parallele zum perfekten Zug in einer Go-Situation oder das Streben nach vollkommenem Spiel ist offensichtlich. In "Hikaru no Go" ist kami no itte, der göttergleiche Zug, durchgängiges Thema.
Danach zeigten die drei Budokas katas des Shotokan-Karate. "24 Schritte" oder niju-shiho, ein Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner sah wie ein höchst konzentriertes Ballett ohne Musik aus. Zum Abschluss konnten wir die höchste Stufe des Karates vor dem freien Kampf erleben. Das jiyu-ippon-kumite erlaubt eine kurze Ansage wie "ich greife oben an", und dann wird's gefährlich.

Der Hausherr Wolf-Dieter Wichmann beim niju-shiho.
Nach dieser Unterbrechung ging es zurück zum Go. In den ersten zwei Runden setzten sich die höher eingestuften Teams meistens durch. Gespielt wurde mit um zwei Steinen reduzierter Vorgabe und 5 Komi für Spielstärkenunterschiede, die nicht durch 9 Vorgabesteine ausgeglichen werden konnten. Die Teams vom Gymnasium Erding, dem Freihof Gymnasium Göppingen dem Coppernicus Gymnasium Hamburg-Norderstedt und der Willy-Brandt-Gesamtschule Castrop-Rauxel setzten sich mit 2 Siegen durch. Das Rhein-Sieg-Gymnasium St. Augustin mit dem nominell stärksten Team (Torsten Knauf 3k, Barbara Knauf 3k, Dennis Joswig 10k) wurde jedoch von Göppingen geschlagen.
Foto rechts: Die nominell stärksten Teams posieren (links Willy-Brandt-Gesamtschule Castrop-Rauxel, rechts: Rhein-Sieg-Gymnasium St. Augustin)

Die Siegermannschaft des Coppernicus Gymnasiums Hamburg-Norderstedt

Das Blitzturnier startete um 20:15 mit 48 Teilnehmern. Parallel zum hektischen Spiel wurde die Ruhe in der Sauna gesucht. Hideki Asai (6d) gewann souverän auch gegen Stefan Budig (4d), der sogar 2 Steine nehmen durfte, im zeitversetzt gespielten Finale. Auf dem dritten Platz landete Johannes Obenaus.
Stefan Budig und der Hamburger Go-Club spendeten die Preise für das Blitzturnier, Asai Hideki und Stefan Budig reichten ihre Preise an die besten Kyu-Spieler weiter.

Im Beiprogramm des Turniers gab es die Möglichkeit, T-Shirts mit Kanjis zu verzieren. Die benutzte Aufbügeltechnik war für Kinder und Erwachsene leicht durchzuführen und die Ergebnisse waren sehr ansehnlich.

In der dritten Runde wurde die Partie Fynn Bachmann (10 Jahre, 10-kyu) gegen Joshua Hennerkes (15 Jahre, 3-kyu) viel beachtet. Eine riesige Gruppe von Fynn ließ sich einfach nicht umbringen und gelassen konnte er am 1. Brett gewinnen. Mit 4:0 gelang schließlich Fynns Team auch ein deutlicher Sieg. Fynn Bachmann (10-kyu), Sönke Oswald (18-kyu) und Felix Kien (25-kyu) können demnächst ihren Wanderklotz mit neuer Namensplakette in einer Schulvitrine des Coppernicus Gymnasiums in Hamburg Norderstedt ausstellen.

Nach Gegnerpunkten (SOS, Zweitkriterium) landete das Freihof Gymnasium mit Jasmin Großmann (6-kyu), Mario Laux (12-kyu) und Steffen Jauch-Walser (12-kyu) auf dem zweiten und nach Brett-Siegen (Drittkriterium) das Gymnasium Erding mit Matthias Qian (8-kyu), Korbinian Riepl (12-kyu) und Steffen Drillich (13-kyu) auf dem dritten Platz. Erding hatte also Pech beim zweiten und Glück beim dritten Platz!

Links die Zweitplatzierten vom Freihof-Gymnasium Göppingen
 


Alle Platzierungen hier in Kurzform:

1. Coppernicus Gymnasium Hamburg-Norderstedt
2. Freihof Gymnasium Göppingen
3. Gymnasium Erding
4. Bergstadtgymnasium "Glück auf" Altenberg
5. Rhein-Sieg-Gymnasium St. Augustin
6. Willy-Brandt-Gesamtschule Castrop-Rauxel
7. Gymnasium Hamburg-Oldenfelde I
8. Karl-Rehbein-Schule Hanau
9. Heinrich-Wolgast-Schule Hamburg
10. Max-Planck-Gymnasium Nürtingen
11. Katholische Schule St. Marien Hamburg
12. Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium Berlin
13. Leibniz-Gymnasium Berlin
14. Gymnasium Hamburg-Oldenfelde II

 
Mit 4:0 besonders erfolgreiche Spieler waren Fynn Bachmann, Sönke Oswald, Steffen Drillich, Jasmin Großmann, Nils Jochum, Ruslan Najmi und Johannes Obenaus.

Das Ehepaar Pietsch zog bei der Verlosung der Poster, Magnet-Go-Spiele, Hikaru-Lesezeichen und Hikaru-Unterhosen (!) die Nummern, und Herr Pietsch überbrachte im Schlusswort der Veranstaltung Grüße vom Insei Benjamin Teuber. Herr Pietsch schloss das Turnier mit den Worten "Ich hoffe, alle Teilnehmer spielen auch im Jahr 2004 wieder mit, aber mutwillig beim Abitur durchzufallen wäre ein zu großes Opfer".

Steffi Hebsacker überreicht ein Hikaru-No-Go-Brett

Zwei ganz Aktive müssen noch neben vielen ungenannten Helfern erwähnt werden, nämlich die unermüdlichen Turnierorganisatoren Clemens Winklmaier und Tobias Berben.

Bericht: Horst Timm, Fotos: Tobias Berben